Rein musikwissenschaftliche Stellen sind eher selten und fast ausschliesslich an den Hochschulen zu finden. An den Mittelschulen wirken Absolventen mit entsprechender Zusatzqualifikation als Musiklehrer/innen. Bibliotheken, Archive und Museen, Kultur und Medien bieten weitere Tätigkeitsfelder für Musikwissenschaftler/innen.
Berufserfahrung während des Studiums
Da spezifische Stellen für Musikwissenschaftler/innen rar sind, ist es wichtig, schon während des Studiums erste Berufserfahrungen zu sammeln. Praktika, Ferienjobs, längere Teilzeitbeschäftigungen oder auch das Engagement in einem Orchester oder Chor sind geeignet, um verschiedene Tätigkeitsfelder kennen zu lernen und ein persönliches Netzwerk zu knüpfen.
Universität und Musikhochschule
Ein knappes Drittel der Musikwissenschaftler/innen findet ihre erste Stelle nach Studienabschluss an einer Hochschule. Die Frage nach dem musikalischen Kunstwerk in seiner gesamten Erscheinungsvielfalt steht hier im Zentrum: Assistentinnen, wissenschaftliche Mitarbeiter und Dozentinnen führen Forschungsprojekte durch und beteiligen sich an Editionsprojekten, sie arbeiten mit modernster Technologie – wie etwa beim Aufbau einer Musikinformations-Datenbank – und enträtseln historische Instrumente. Sie schreiben ihre Dissertation oder Fachartikel, halten Vorlesungen, wirken in Seminaren mit und sind für die Betreuung der Studierenden verantwortlich.
Mittelschule
Ein weiteres gutes Drittel der Absolventen arbeitet nach Abschluss des Studiums an einer Mittelschule. Musiklehrer/innen vermitteln ihren Schülerinnen und Schülern die Grundlagen der Musiktheorie, lehren Musikgeschichte vom Minnesang bis zur Neuzeit, schulen Ohren, Stimmbänder und Finger, Taktgefühl und Rhythmus. Sie erstellen Unterrichtspläne und Schulunterlagen, korrigieren Prüfungen und schreiben Zeugnisse. Ausserdem können sie als Klassenlehrer oder Schulleiterin zusätzliche beraterische oder administrative Aufgaben übernehmen. Wer eine Anstellung als Lehrer/in für Schulmusik anstrebt, muss das Lehrdiplom für Maturitätsschulen erwerben. Ein Abschluss in einem zweiten Unterrichtsfach ist empfehlenswert.
Mediotheken, Archive und Museen
Ein wissenschaftliches Einsatzfeld bietet sich auch in Bibliotheken, Archiven und Museen. Die fachgerechte Katalogisierung und Aufbewahrung von Tonträgern und Notendokumenten, die Pflege von Sammlungen und Nachlässen gehören zu den Hauptaufgaben von Musikbibliothekarinnen. Daneben aktualisieren sie die Bestände und machen sie der Öffentlichkeit zugänglich, sie unterstützen Forschungsprojekte oder organisieren Führungen. Für eine feste Anstellung als wissenschaftlicher Bibliothekar oder Museumspädagogin ist in der Regel eine Zusatzausbildung nötig.
Journalismus
Als Kulturredaktorin bei einer Tageszeitung oder beim Radio, als freier Journalist bei verschiedenen Kulturmagazinen oder als Konzertkritikerin sind Fachleute gefragt, die musikalische Werke und Aufführungen kompetent beurteilen können. Eine journalistische Tätigkeit sollte möglichst früh und mit kleinen Schritten beginnen – zum Beispiel mit Berichten über das örtliche Jugendorchester oder den Gospelchor in der Lokalzeitung. Nur mit einem Portfolio von Artikeln und Kritiken ist nach Studienabschluss ein Auskommen als freier Journalist oder eine Anstellung als Redaktorin möglich.
Kulturmanagement
Für die Organisation von Konzerten oder Musikfestivals braucht es ebenfalls Fachleute, die über ein grosses Repertoire und fundiertes Urteilsvermögen verfügen. In der Regel beginnt eine solche Tätigkeit im neben- oder ehrenamtlichen Bereich und führt auch später eher zu Freelance-Aufträgen als zu festen Anstellungen. Stellen im Kulturmanagement erfordern eine gute Vernetzung und ein Sich-Auskennen in der aktuellen Kulturszene.
Öffentliche Verwaltung, Verbände und Stiftungen
Beim Bundesamt für Kultur, bei den kantonalen Departementen für Kultur sowie privaten Verbänden und Stiftungen erschliesst sich den Musikwissenschaftlern ein konstanteres Tätigkeitsfeld. So beurteilen sie etwa Subventionsanträge, unterstützen begabte Künstler/innen, vernetzen Kulturschaffende und -veranstalter mit Tagungen oder organisieren Konzerte und Musikfestivals.
Multimedia, PR, Kommunikation oder ...
Was Musikwissenschaftler/innen aus dem Studium mitbringen ist ein geschärftes Ohr, einen reichen Fundus an Gehörtem und objektive Kriterien, um Eindrücke zu begründen. Dies macht sie auch zu Anwärter/innen für verschiedene Tätigkeiten im Bereich Multimedia, Film, Werbung oder Kommunikation. Eine Zusatzausbildung im Bereich Multimedia oder Informatik sowie entsprechende Berufserfahrungen und Kontakte erleichtern den Einstieg in die Branche.
Wie jedes geistes- und sozialwissenschaftliche Studium vermittelt zudem auch die Musikwissenschaft allgemeine Fähigkeiten und Fertigkeiten, die mitunter zu einer Arbeitstätigkeit fern von der Musik führen. Der geschulte Sinn für Strukturen, Themen und Entwicklungslinien und die schnelle Erfassung von Texten sind Kompetenzen, die in ganz unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern fruchtbar werden können.
Weitere Berufsmöglichkeiten siehe auch unter:
Musik, Theater, TanzMedien und InformationBildung und Unterricht
Hier finden Sie eine Auswahl von Berufs- und Tätigkeitsbeschreibungen aus dieser Branche, in denen Uni-Absolventinnen und -Absolventen arbeiten.