Kurz nach Studienabschluss arbeiten knapp zwei Drittel der Mathematiker/innen entweder an der Hochschule oder unterrichten an einer Schule. Ein weiteres Drittel arbeitet im privaten Dienstleistungsbereich. Dabei gewinnen Banken und Versicherungen als Arbeitgeber immer mehr an Bedeutung.
Mathematik als Werkzeug vieler Wissenschaften
Mathematik ist zum einen eine eigenständige, nicht zweck- oder sachgebundene Wissenschaft. Diese «reine Mathematik» wird fast ausschliesslich in Lehre und Forschung betrieben. Die angewandte Mathematik besitzt hingegen eine wichtige Funktion als Hilfswissenschaft anderer Disziplinen. Sie ist das Werkzeug, mit dem komplizierte Zusammenhänge geordnet, präzise formuliert und in Zahlen ausgedrückt werden können. In den Naturwissenschaften und auf allen Gebieten der Technik gehören die Anwendungen von mathematischen Modellen zum täglichen Brot. Aber auch in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und in der Medizin kommen mathematische Modelle sowie statistische Methoden in zunehmendem Masse zum Einsatz. Sie werden dann eingesetzt, wenn eine grosse Anzahl von Daten gesammelt, klassiert, analysiert und interpretiert werden muss. Statistiker/innen sind Partner in interdisziplinären Forschungsprozessen an Hochschulen sowie privaten (Marktforschung) und öffentlichen Institutionen (Bundesamt für Statistik).
Hochschulen
An Hochschulen sind Mathematiker/innen nicht nur in der Lehre und der Forschung ihres eigenen Faches tätig, sondern auch in Gebieten wie Volkswirtschaftslehre, Ökonometrie, Informatik, Computerlinguistik, Biologie, Medizin, Sozial- oder Ingenieurwissenschaften.
Lehramt
Wer Freude daran hat, mathematisches Wissen verständlich darzulegen und an Schüler/innen weiterzugeben, ist im Lehramt an Mittelschulen oder an Berufsfachschulen am richtigen Ort.
Versicherungs- und Finanzmathematik
Mathematiker/innen berechnen mit Hilfe von Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie Risiken, Prämien, zu erbringende Leistungen und notwendige Rückstellungen für Lebens-, Unfall- oder Schadensversicherungen, Pensionskassen, Krankenkassen und Rückversicherer. Für das jeweilige Versicherungsunternehmen ist die richtige Festlegung der Prämienhöhe von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung.
Im Bankenbereich werden mit mathematischen Methoden Strategien entwickelt, um Gelder unter Berücksichtigung des Risikos möglichst gewinnbringend anzulegen, Preise von Finanzprodukten zu bestimmen, Ausfallrisiken zu berechnen oder kurz- bis langfristige Mittel zur Unternehmensfinanzierung zu beschaffen.
Informatik
Mathematiker/innen sind tätig in der Softwareentwicklung und der Modellierung für die Anwendungsentwicklung. Hier geht es z.B. um die Entwicklung von Hochleistungscomputersystemen oder um die Erstellung eines Designs für E-Commerce-Anwendungen. Eingesetzt werden Mathematiker/innen auch in Spezialgebieten wie z.B. der Kryptologie, bei intelligenten Steuerungsverfahren und lernenden Systemen.
Technik
Im Bereich der Technik sind Mathematiker/innen für verschiedene Aufgaben gefragt: industrielle Forschung und Entwicklung (Lösung rechenintensiver Probleme, physikalisch-technische Modellierung), 3D-Messtechnik (Auswertung präziser 3D-Messdaten), Logistik und Transportwesen, Planoptimierung, Hardware- und Softwareentwicklung für Embedded Realtime Systems (Steuerung von Flugzeugen, ABS, Stellwerksteuerung).
Vom Fachjournalismus bis Consulting
Mathematiker/innen können auch in Arbeitsbereichen eingesetzt werden, in denen weniger das mathematische Fachwissen gefragt ist, sondern ihre rasche Auffassungsgabe und die Fähigkeit, abstrakt denken und analysieren zu können. So finden sich Jobs z.B. in der Unternehmensberatung, bei Trainee-Programmen in grossen Konzernen, im Personalwesen zur Betreuung der naturwissenschaftlichen Domänen, in Forschungsbibliotheken und Verlagen, im Fachjournalismus u.ä.
Rechnergestützte Wissenschaft
Rechnergestützte Wissenschaft (auch Computational Science oder Computational Science and Engineering genannt) ist eine interdisziplinäre, anwendungs- und problemlösungsorientierte Wissenschaft, die auf Computersimulationen basiert. Das Arbeitsgebiet ist eng verbunden mit Naturwissenschaften, Ingenieurwesen, Mathematik und Informatik. Es gibt erst wenige Absolventen/innen dieser Studienrichtung. Bis jetzt arbeiten die meisten in Forschungsteams aber auch Banken und Versicherungen sind an ihnen interessiert.
Die Absolventen/innen dieses Studiums verstehen einerseits naturwissenschaftlich-technische Fragen und beherrschen andererseits das rechnergestützte Analysieren von Problemen. Sie stellen den Natur-, Ingenieur- Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie der Medizin und den Pharmazeutischen Wissenschaften Werkzeuge und Problemlösungsmethoden zur Verfügung, die es ihnen erlauben, komplexe Modelle zu berechnen und zu simulieren. Sie arbeiten entsprechend interdisziplinär und entwickeln mit Hilfe des Computers Lösungen für schwierige praktische Probleme.
Einige Beispiele wo Rechnergestützte Wissenschaften angewandt werden können sind: Operationssimulatoren mit welchen Chirurgen ihre Fertigkeiten trainieren können, Modelle für den Brückenbau, mit denen Schwingungen auf dem Bildschirm simuliert werden können oder auch waldbauliche Informationssysteme, mit dem Entscheidungsgrundlagen auf der Ebene des Forstbetriebs aktualisiert und waldbauliche Informationen verwaltet werden können. Weitere Anwendungen können in der Pharmaindustrie bei der Entwicklung von neuen Medikamenten oder auch in der Molekulardynamik sein.
Website mit Jobs für Mathematiker/innen
Unter www.math-jobs.com/ch/ werden verschiedene Berufsfunktionen für Mathematiker/innen beschrieben und Stellen angeboten.
Weitere Berufsmöglichkeiten siehe auch unter:
Banken und VersicherungenInformatikPhysik und Astronomie
Hier finden Sie eine Auswahl von Berufs- und Tätigkeitsbeschreibungen aus dieser Branche, in denen Uni-Absolventinnen und -Absolventen arbeiten.