Gut zwei Drittel der Absolvierenden eines Physikstudiums bleibt nach Studienabschluss zunächst noch ein paar Jahre an der Hochschule, um eine Dissertation zu schreiben. Das erhöht die Erfahrung im Bereich wissenschaftlichen Arbeitens und verbessert die Berufsaussichten. Physiker/innen haben im Studium Denk- und Arbeitsmethoden trainiert, die in vielen Gebieten eingesetzt werden können.
Breites Tätigkeitsfeld
Das Stellenangebot für Physiker/innen ist gut bis sehr gut. Die Nachfrage für ausgebildete Physiker/innen ist sehr stabil. Die meisten finden eine Stelle in einem der folgenden Tätigkeitsbereiche: Grundlagenforschung, Unterricht, angewandte Forschung und Entwicklung in der Industrie, Dienstleistungsunternehmen, im Bereich des Risikomanagements oder auch im Bereich von Information und Medien.
Grundlagenforschung
Stellen in der Grundlagenforschung gibt es an den Hochschulen oder in einem staatlichen oder privaten Forschungszentrum (z.B. CERN in Genf, Paul Scherrer Institut in Villigen, EMPA in Dübendorf usw.). Eine Forschungstätigkeit bedingt immer auch einen hohen Spezialisierungsgrad. Je stärker die Spezialisierung, umso eingeschränkter sind aber auch die Wahlmöglichkeiten des Arbeitsortes. Wer unbedingt auf einem bestimmten Gebiet tätig sein möchte, muss unter Umständen auch bereit sein, eine Stelle im Ausland anzunehmen. Wer in der Wahl des Arbeitsortes freier sein möchte, muss sich bei Stellenwechsel in das jeweilige neue Forschungsgebiet einarbeiten, was in den meisten Fällen mit viel Aufwand verbunden ist. Dies ist während einer Berufskarriere nur wenige Male möglich und wird mit zunehmendem Alter immer schwieriger.
Unterricht
Physiker/innen können an Gymnasien, Fachmittelschulen, Berufsfachschulen oder an Fachhochschulen unterrichten. Um als Lehrperson an eine entsprechende Schule gewählt werden zu können, müssen die Physiker/innen am Ende des Studiums eine didaktische Weiterbildung absolvieren. Jeweils etwa 10% der Physiker/innen erwerben das Diplom für das Höhere Lehramt.
Eine weitere Möglichkeit in der Lehre tätig zu sein ist eine Dozentenstelle oder eine Professur an einer Universität. Auf dieser Ebene ist die Lehre immer mit einer Forschungstätigkeit und somit mit einer Dissertation und Habilitation verbunden.
Angewandte Forschung, Entwicklung und Produktion
Angewandte Forschung und Entwicklung von Produkten wird in verschiedenen Industriezweigen betrieben. SSo arbeiten Physiker/innen als Forschende und Entwickler/innen z.B. in der Maschinen- und Elektroapparatetechnik, in der Informationstechnik, im Fahrzeug- und Flugzeugbau sowie in Raumfahrtprogrammen mit. Dazu sind sie auch in der Uhrenindustrie, in der Medizintechnik oder in der chemisch-pharmazeutischen Industrie tätig. Die Physiker/innen arbeiten dabei in erster Linie an der Entwicklung von neuen Verfahren, Messtechniken, Geräten und Produkten oder als Materialprüfer/innen, Energie- oder Sicherheitsbeauftragte, Arbeitsplaner/innen oder Beratende. Berufserfahrung, persönliche Fähigkeiten und Engagement öffnen den Weg zur Labor-, Gruppen- und Abteilungsleitung und manchmal auch ins höhere Management. Paradebeispiele: Der Entwicklungsleiter der Swatch-Uhr hat in Physik promoviert, ebenso der Verantwortliche für die Einführung des Taktfahrplans im Stab der SBB-Zukunftsplanung sowie der Direktor des Centre Suisse d’Electronique et Microtechnique.
Dienstleistungsunternehmen
In öffentlichen und privaten Dienstleistungsbetrieben werden Physiker/innen an vielen Orten analog zu Mathematiker/innen und Informatiker/innen eingesetzt: als Verkehrs- und Computerfachleute in Rechenzentren, Systemanalytiker/innen im IT-Bereich, Planer/innen, Beratende usw. Physiker/innen können aber auch auf Patentämtern, beim Wetterdienst, in Polizeilabors oder Observatorien Arbeit finden.
Risikomanagement
In diesem relativ neuen Tätigkeitsbereich sind Physiker/innen begehrte Arbeitskräfte. Das Tätigkeitsgebiet reicht von Berechnungen von Objektrisiken beispielsweise in Museen (z.B. Feuchtigkeitseinflüsse bei Gemälden) über Kalkulationen von Investitionsrisiken im Finanzwesen bis hin zur Einschätzung von Naturrisiken bei grossen Bauvorhaben oder zur Eindämmung von Naturkatastrophen.
Informationstätigkeit und Spezialisierungen
Physiker/innen können als wissenschaftliche Journalisten in der Redaktion einer Zeitung oder in den elektronischen Medien mitarbeiten. Ausserdem gehört für viele Physiker/innen das Verfassen von Informationsschriften zum Beruf.
Eine Spezialisierung und Weiterbildung in anderen, mit der Physik verwandten Gebieten ist ebenso möglich, z.B. in Geophysik (siehe Erdwissenschaften), Astrophysik oder Astronomie, Meteorologie, Umweltschutz und Ökologie, Energie, Computertechnik oder Medizinaltechnik.
Schwieriger Arbeitsmarkt für Fachleute der Astronomie
Für Astronomen/innen sind die Berufsmöglichkeiten sehr beschränkt. Daher wird Astronomie nur als Schwerpunkt oder Nebenfach kombiniert mit einem Physikstudium angeboten. Die meisten Astronomen sind heute an Universitäts- und Forschungsinstituten oder bei Raumforschungsorganisationen tätig. Eine Lehrtätigkeit an Mittelschulen ist nur in Verbindung mit Physik oder Mathematik möglich. Ein paar wenige Stellen gibt es auch in Rechenzentren und Planetarien. In Anbetracht der beschränkten Anzahl Stellen an Schweizer Universitäten und Forschungsinstituten sowie der intensiven Zusammenarbeit im Rahmen internationaler Forschungsorganisationen muss eine Astronomin bereit sein, allenfalls auch längere Zeit im Ausland zu arbeiten.
Weitere Berufsmöglichkeiten siehe auch unter:
Maschinen- und ElektrotechnikInformatik
Hier finden Sie eine Auswahl von Berufs- und Tätigkeitsbeschreibungen aus dieser Branche, in denen Uni-Absolventinnen und -Absolventen arbeiten.