Wie die meisten Wissenschaftler/innen können Linguistinnen und Indogermanisten ihr Fachwissen am direktesten in der Forschung und Lehre des eigenen Fachgebiets verwerten. Sie sind auch in den klassischen Arbeitsbereichen der Geisteswissenschaftler/innen wie Medien, Bibliotheken, Dokumentationen, Kultur, Erwachsenenbildung oder Öffentlichkeitsarbeit zu finden. Daneben sind Studienabgänger/innen der allgemeinen Linguistik als eigentliche Sprachspezialisten für anspruchsvolle Kommunikationsbereiche z.B. in der Computerlinguistik tätig.
Vertiefte Auseinandersetzung mit Sprache
Linguistik zu studieren bedeutet, sich immer wieder analytisch mit der gesprochenen und geschriebenen Sprache auseinander zu setzen. Wer Linguistik studiert, lernt, bestimmte sprachlich-kommunikative Praktiken zu verstehen, zu bewerten und Vorschläge zu ihrer Verbesserung zu entwickeln.
Informatik-Dienstleistungen und Neue Medien
Eine wichtige Fähigkeit der Linguisten ist es, komplexe Sachverhalte verständlich und anschaulich zu präsentieren. Für die Vermittlung kommunikativer Inhalte mittels der sich rasant entwickelnden Neuen Medien ist es notwendig, die grundlegenden Prinzipien der Verständigung zu kennen und zu beherrschen.
Bei der Entwicklung Neuer Medien, der Produktion von Lernsoftware und beim Umgang mit Computern beschäftigen sich Linguistinnen mit verschiedenen Aufgaben. Sie entwerfen, realisieren und vermitteln Hypertexte und Hypermedia, entwickeln computergestützte Lehr- und Lernsysteme.
Bei der Kommunikation und dem Lehren und Lernen mit neuen Technologien müssen Sprachwissenschaftler/innen sowohl die inhaltlich-fachliche als auch die technische Seite der jeweiligen Aufgabe beherrschen. Computerlinguisten bringen für diese Funktionen den idealen Background mit. Ihr spezialisiertes Wissen kommt in erster Linie in der Softwarebranche zum Tragen. So entwickeln sie maschinelle Übersetzungssysteme und entwickeln Programme, die den Zugang zu technischen Systemen und Datenbanken mittels der natürlichen Sprache statt mit formalen Abfragesprachen ermöglichen. Sie befassen sich u.a. auch mit dem automatischen Generieren von allgemein verständlichen Texten wie z.B. Börsen- und Wetterberichten aus Rohdaten oder dem Erzeugen technischer Dokumentationen aus formalen Gerätebeschreibungen.
Technische Dokumentation
Die technische Entwicklung führt zu einem zunehmenden Bedarf an verständlichen Bedienungsanleitungen. Viele technische Geräte, Maschinen und Software sind ohne Bedienungshinweise nutzlos. Technische Redakteure und Redakteurinnen verfügen sowohl über präzise sprachlich-kommunikative Fähigkeiten als auch über einen ausgeprägten technischen Sachverstand. Neben Bedienungsanleitungen erstellen sie Produktkataloge, Aufbau- und Wartungsanleitungen sowie Schulungsunterlagen.
Sprachanalysen
Um vergleichende sprachwissenschaftliche Studien durchzuführen, müssen sich Studierende der Allgemeinen Linguistik mit ausgefallenen – auch nicht-indogermanischen – Sprachen befassen und sich teilweise entsprechende Sprachkenntnisse aneignen. Im Umgang mit Migrierenden zum Beispiel sind die Behörden zuweilen auf entsprechende Sprachspezialisten angewiesen. So ermittelt beispielsweise der sprachliche Dienst des Bundes mittels Sprachanalysen die Herkunft von Asylsuchenden.
Lehre und Forschung in der Indogermanistik
Die Indogermanistik ist eine historische Wissenschaft. Trotz umfassendster Sprachkenntnisse (Latein, Griechisch, Sanskrit u.a.) verfügen Indogermanisten über keine professionellen Kenntnisse moderner gesprochener Sprachen. Die Studienabgänger/innen können dem breiten Publikum auch keine spektakulären Zeugen der Vergangenheit nahe bringen wie z.B. die Ägyptologen. Die Rekonstruktion unserer sprachlichen Wurzeln und geistigen Kultur, die den europäischen und verschiedenen asiatischern Sprachen zugrunde liegen, findet in der universitären Forschung und Lehre statt, praktisch der einzige Ort, wo das indogermanistische Fachwissen auch direkt verwertet werden kann. Einzig an der Universität Zürich kann Indogermanistik als Fach für das Höhere Lehramt für den Latein- und Griechischunterricht eingebracht werden.
Theoretische vs. Angewandte Linguistik
Bei den Universitätsstudienfächern Allgemeine Linguistik und Indogermanistik handelt es sich um ausgesprochen theoretische Wissenschaften, die die Grundlagen der Sprache erforschen. Im Gegensatz zum Studium der Angewandten Linguistik, einem Fachhochschulstudium, werden keine Fachkenntnisse vermittelt, die beruflich direkt verwertbar sind. Der Transfer der wissenschaftlichen Kenntnisse in die berufliche Praxis stellt für die Absolventen dieser Fächer eine besondere Herausforderung dar. Seminare zum Thema «Übergang Studium – Beruf» für Linguisten, wie sie z.B. die Universität Basel anbietet, sind für angehende Linguistinnen und Linguisten äusserst wertvoll.
Weitere Berufsmöglichkeiten siehe auch unter:
Marketing, Werbung, PR
Medien und Information
Hier finden Sie eine Auswahl von Berufs- und Tätigkeitsbeschreibungen aus dieser Branche, in denen Uni-Absolventinnen und -Absolventen arbeiten.